Kreuzweg u. Kalvarienberg Kainbach

 

Der Kalvarienberg im Milchgraben

Der Kalvarienberg von Hönigtal nimmt im Milchgraben seinen Ausgangspunkt. 15 Stationen eines Kreuzweges, beginnend mit dem letzten Abendmahl bis hin zur Auferstehung, führen zu den beiden Kapellen. In der einen befindet sich ein Kreuz mit drei Figuren, in der zweiten, der Marienkapelle, eine spätbarocke Madonna. Die Kreuzwegstationen sind gemauerte Steinwürfel mit Hinterglasbildern.

Die Angaben über die Entstehung des Kalvarienberges sind widersprüchlich. Viktoria Schäfmann schildert die Entstehung des Kalvarienberges so: Ein Knecht meines Großvaters hat mit seinen Ersparnissen die zwei Kapellen errichten, und mein Knecht, der alte Loisl (Alois Portugaller, Ü 1956), hat sie auf seine Kosten renovieren lassen. In der 1883 von Oberlehrer Franz Kleinhapl verfassten Ortsgeschichte Hönigthal ist nachzulesen, dass der Knecht Franz Höller aus eigenen Mitteln den ersten Ausläufer des Hügelzuges gegen den Schemmerl in den Milchgraben mit Kreuzwegstationen, Kapellen und Wegen versehen ließ. Für diesen Hügelzug entstand die Bezeichnung Kalvarienberg. Die Kreuzwegstationen wurden 1849 eingeweiht, verfielen aber im Laufe der Zeit wieder.

Die beiden Kapellen des Kalvarienberges wurden im Jahre 1865 erbaut. Zu dieser Zeit hatte der Kreuzweg bereits bestanden. Zwei im Jahre 1996 gefundene Baupläne zeigen, dass statt der Marienkapelle eine wesentlich größere Kapelle mit Glockenturm vorgesehen war.

Bemerkenswert sind in der ersten Kapelle die geschnitzten Holzstatuen und eine spätbarocke Immaculata im Strahlenkranz, in der zweiten Kapelle eine Kreuzigungsgruppe mit den Figuren Maria, Johannes und Maria Magdalena. Die vier barocken Engelsfiguren, die ursprünglich um die Madonna angeordnet waren, wurden in den Nachkriegsjahren entwendet.

Über dem Eingangstor der Marienkapelle stand Erbaut 1810, renoviert 1949. Finanziert wurde die Renovierung von Alois Portugaller, die steirische Malerin Rita Passini restaurierte die Figuren.

1979 hat die Gemeinde Kainbach die Mittel für die bauliche Sanierung der Kapellen und der Plastiken im Innenraum aufgebracht. Die sogenannte Kreuzkapelle wurde nicht nur außen hergerichtet, auch die Holzstatuen im Innenraum erhielten ein neues Gesicht, und ein Tor aus Schmiedeeisen wurde angefertigt. Ernst Brogyányi renovierte die spätbarocke Immaculata im Strahlenkranz in der ersten Kapelle, Walter Pisk die Kreuzigungsgruppe in der zweiten Kapelle.

Anlässlich der 800-Jahr-Feier des Landes Steiermark im Jahre 1981 fasste der Gemeinderat unter Bürgermeister ÖR Alois Gölles den Beschluss, die Kreuzwegstationen vom Milchgraben aus auf den Hönigtaler Kalvarienberg, die schon Jahrzehnte verfallen waren, wieder herzustellen.

Auf eine Empfehlung des Pfarrers Johannes Regner von Graz-Ragnitz wurden die Kreuzwegstationen zu den beiden Kapellen aus Stainzer Naturstein mit eingelassenen Hinterglasbildern errichtet. Als Vorbild diente der Wettmannstättener Hinterglas-Kreuzweg, der Ausdruck alter Volkskunst darstellt. Die Hinterglasbilder der Kirche Wettmannstätten sind sogenannte echte Sandler-Bilder. Sie heißen so, weil sie im oberösterreichischen Ort Sandl in bäuerlich-naiver Handarbeit seit 1840 hergestellt werden.

Die Firma Anton Provasnek fertigte die Kreuzwegstationen aus Stainzer Naturstein an. Die in die steinernen Säulen eingelassenen Hinterglasbilder malte Josefine Brogyányi. Die Ortseinsatzstelle der Steiermärkischen Berg- und Naturwacht legte den Weg an. Am 4. April 1981 wurde der Kreuzweg eingeweiht.

In den Jahren 1996/97 wurden, angeregt von Bürgermeister Josef Plesch, die beiden Kapellen und die Kreuzigungsgruppe renoviert.